Gedichte

Clint Eastwood in meiner Badewanne

eine Auswahl

 
 
Houdini vor der Abschlussprüfung

Dort stand ich
& mir gegenüber ein Baum,
der sagte:
Du hast die Wahl“

Hinter meinem Rücken
fiel erster Schnee
dem Abendlicht zum Opfer.
 


Mein Wochenende auf dem Land

Auf meiner Zunge
tanzen Taubenbrüstchen
und zwischen meinen Schenkeln
erwartet ein Gelegenheitsdieb
den Abend.
Die Bewohner
eines benachbarten Mittelgebirges
kümmert das natürlich wenig.
Beschämendes Bergziegenkäsepanorama
hol’ den Tennisschläger raus –
es wird Hagel geben.
Das kommt dabei raus
wenn die blinde Kuh
Würfelspiele organisiert.
Die Hühner hämmern auf  dem Klavier
Seemannslieder
und ein Regenwurm
verklagt seinen Zahnarzt.

Ach, verfluchtes Wochenendticket -
meine Füße
sind schon abgereist.



Clint Eastwood in meiner Badewanne

In einem Strandkorb
sitz ein Fisch
& schreit:
“Was glotzen sie so?
Die Welt verändert sich.“

In östlicher Richtung
gibt es Wechselgeld,
später wird es nach Urin stinken.

In meiner Badewanne
liegt Clint Eastwood
Und sagt:
“Stört es sie wenn ich rauche?“
 
 
 
Mein Duschkopf sagte:
„Na, leben sie jetzt allein?“
Später kam der Wind,
es gab Käsebrote
und neun von zehn
möglichen Punkten –
die Jury war
wie immer
betrunken.

 
 
Die Sonne spukt mir ins Gesicht.
Mein Horoskop meint:
Geh weiter, jeder Meter zählt“
& ich schwöre,
beim nächsten Sonnenaufgang
halte ich den Mund.

 
 
Wie oft saß ich schon hier?

Keine Schlittschuhe in Sicht.
Eng rücken die Häuser zusammen,
das Fremde
schweigt in Ferngesprächen.
Blicke wie Anleitungen
für Schiffskatastrophen.
Ich könnte sagen:
„Zehn Finger gehören mir“,
aber das wisst ihr ja bereits.
Später,
sobald die Krümel trocken sind,
bekomm ich ein Stück vom Kuchen.
 
 
 
Der Himmel balanciert
auf dem Mittelstreifen.
Die Morgenröte
mit ihrem verglasten Gesicht
verzieht sich.
Ich setzte mich auf eine Bank,
gestiftet vom paläobotanischen Institut,
zu zwei Alten,
die sich langweilen.
Wir beobachten Kieselsteine.

 
 
Heizkörper schmiegen sich an mich.
Vom Abendzug aus
nicht zu sehen.
 
 
 
Erster Frost unter meiner Bettdecke
Meine Katze
beklagt sich beim Amt.
Ein Glück...
die Sachbearbeiterin
ist im Mutterschutz.
Sie heißt Monika
und ist angeblich beige.

 
 
Erblindete Verabredung
 
Frau Schwahulla-Hofferberth
schwärmt von
frischem Minztee, Limettensaft
und gecrashtem Eis.
„Vergessen Sie’s“,
sagt ein Fernstudium,
„für so einen Scheiß
verlasse ich Samstags nicht das Haus.“

Lange Winternächte lungern
auf dem Treppenabsatz
vor der physiologischen Praxis herum.

Frau Schwahulla-Hofferberth muss niesen.
Ich erwache,
Mitternacht ist schon lange vorbei
und mein Wecker
noch immer auf der Flucht.
 
 

... und einige mehr.
 
 
 
Texte v. R. Blessing