Gedichte

Schön weinen sie, doch leider am falschen Grab

Polaroidgedichte - eine Auswahl

 
 
Alte Damen im Cafe...

mit nagelneuen Hüten
und keine Spur
unter den Klinikbetten.
Eine Vorstellung
eingefädelt und
stranguliert
an der Sprossenwand
eines Kinderzimmers.
Danke für
die lieben Grüße.
Ich stoße an
auf dieses dusselige Debut
an einem Tisch
im hinteren Bereich
des Aquariums.
 
 
 
Frühgeburt

Ein rostiger Nagel im Fuß
aber die Hochzeit
muss weitergehen.
Die Stille
vermietet ans
Meditationszentrum –
Die Frikadellen
gehen extra.
 
 
 
Antwerpen 1

Lippen um meinen Puls.
Ein Kopfkissen
aus dem Musik drang.
Meine Liebe
ausgewildert
in einer Sekunde
ohne Hintergrund.
Und irgendwo
ein Mann am Tresen
der raucht.
 
 
 
Antwerpen 2

Der Wind
würgte Tränen runter.
Später am Morgen
holte jemand
sein Lachen,
dass herzlich klang.
Gegenüber
auf einer Terrasse
saßen wir
und grinsten wie
unverkäufliche Souvenirs.
 
 
 
Niederrhein 5

Die verschrumpelte Messingfigur
eines Kleinstadtbrunnens
bestellt einen Dunstschleier.

Eine Stehlampe
zieht einen
schweißnassen Pyjama über.

Ein Karibikeisbecher mit Zahnstein
verlässt das Sonnenstudio.
Zwei Schatten tauchen auf
mit dem Benehmen
gekränkter Seelen.
Draußen kommt Wind auf,
Sandkörner halten sich die Hüte,
eine Staubschicht
reibt sich die Augen.
Die Situation ist nicht leicht
zu überblicken...
Aber meine Füße baden
in ruhigen Gewässern
und hinter
den Fenstern
erlischt Licht.
 
 
 
Der Vorhang teilt sich

Gestern
an das Fußende
meines Bettes gelehnt
flüsterte ich:
“Ihr hattet Recht“
für alle
die darauf
gewartet hatten.
 
 
 
Maastricht 1

Ein Cafe
für Briefe aus der Ferne.
Eine Oma von links
auf deren Schultern
ein Gedicht sitzt
und lacht.
Mittendrin
ein Engtanz
für zwei Verlorene.
 
 
 
Lachen

In der Nacht
vom Elften
zum Zwölften
ging
ein tragbarer Fernseher
in Schwesterntracht
unter meinem Fenster vorbei.
Ich lernte gerade
Lachen
für die Abschlussprüfung.
 
 
 
Rauch auf Krücken

Ein Erotikballett für künstliche Hüften
und das unverschämte Lachen vom Band
ziehen sich
nach kurzer Besprechung zurück.
Der Geruch von Dill
versteckt sich im Haar
der Vernachlässigten.
Die Anästhesisten treffen sich
zwei Stockwerke tiefer.
Eine Treppe,
die mehr als fünf Stufen hatte,
und tief gebeugte Blicke
in einer Ecke
für Rauch auf Krücken
betrachten die Zukunft,
die nichts besseres zu tun hat
als von 100 rückwärts zu zählen.
Und Großvater beginnt endlich
seine Lehre zum Friseur.
...
 
 
 
... und einige mehr.
 
 
 
Texte v. R. Blessing